„Ich habe mich wie eine Versagerin gefühlt.“

Gewechselt und es passt nicht? Warum auch deine zweite Wahl nicht die Richtige sein muss

Rund um den Studienwechsel: Du hast alles schon erlebt, die Zweifel am Studium, den Stress und die Zukunftsängste und dann, endlich, den Wechsel. Jetzt geht’s mit neuer Motivation ins neue Studium. Jetzt wird alles besser, oder? Was passiert, wenn der zweite Studiengang auch nicht zu dir passt oder gar das Studieren an sich?

Den eigenen Weg zu finden, kann Zeit und manchmal mehrere Anläufe brauchen. Wieso ein weiterer Studienwechsel oder ein -ausstieg kein Weltuntergang ist und sogar eine Chance sein kann, erfährst du hier.

Isabell ist 23 Jahre alt und macht eine Ausbildung als Kauffrau für Marketingkommunikation. Doch das war nicht ihre erste berufliche Station nach dem Abitur. Über ihre Erfahrungen, Zweifel und Wünsche spricht sie im Interview.

Isabell, du hast nach dem Abitur nicht sofort eine Ausbildung begonnen…

Genau. Nach meinem Abitur habe ich erst einmal ein Jahr lang Praktika und ein BFD absolviert. Danach studierte ich zwei Semester BWL und wechselte im Anschluss zu Germanistik mit Anglistik und Amerikanistik als Ergänzungsfach. Da merkte ich dann, dass das Studium generell nichts für mich ist.

Wann wurde dir klar, dass BWL nicht das Richtige für dich ist und wie hast du dich gefühlt, als die Zweifel angefangen haben?

Die Zweifel kamen schon im ersten Semester. Anfangs wollte ich nicht wahrhaben, dass mir das Studium nicht gefällt und ich es nicht schaffe. „Ich habe mich wie eine Versagerin gefühlt.“ Für mich erschien es so, als würden meine Kommiliton*innen gut damit klarkommen. Ich dachte, ich wäre die Einzige, der es so geht. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Irgendwann habe ich mich dann durch die Zweifel gerungen und entschieden, dass es so nicht weiter geht.

Daraufhin hast du deinen Studiengang gewechselt und hast eine ganz neue Richtung eingeschlagen. Hattest du bei deinem zweiten Studium mehr Druck, dass es diesmal passen muss?

Ja, ich hatte auf jeden Fall mehr Druck als bei meinem ersten Studium. Anfangs habe ich zwar noch nichts davon gespürt, aber irgendwann kamen die Zweifel dann doch durch und diesmal stärker. „Was mache ich hier eigentlich? Es sollte doch eigentlich passen.“ – Das waren die Gedanken, die mir im Kopf herumschwirrten. Ich kannte niemanden in meinem Umfeld der mehr als einmal gewechselt hat und alle schienen in ihrem Studium angekommen zu sein. Ich selbst hingegen war schon wieder an dem Punkt, dass ich von vorne anfangen musste.

Du hast mit deinen Eltern über deine Zweifel gesprochen. War es eine größere Überwindung, als beim ersten Mal, auf sie zuzugehen?

Es war definitiv eine größere Überwindung mit ihnen darüber zu sprechen. Beim ersten Mal war ich erst zwei Semester eingeschrieben und dass man sein Studium einmal wechselt, ist gar nicht so ungewöhnlich, aber ein zweites Mal?
Zuallererst musste ich mir selbst eingestehen, dass ich mich schon wieder falsch entschieden habe. Erst danach habe ich mit meinen Eltern gesprochen, da ich sie natürlich am wenigsten enttäuschen wollte. Der Druck, das Gespräch ein weiteres Mal zu führen, war sehr hoch. Den ersten Satz heraus zu bringen, war eine große Hürde, aber von da an sprudelte alles nur so aus mir heraus. Es tat gut, das alles rauszulassen. Vor allem, weil ich sehr viel Zeit hatte, darüber nachzudenken, wie ich meine Entscheidung am besten anspreche.

Hast du dich auf das Gespräch vorbereitet?

Ja. Mir war es wichtig, dass ich schon einen ungefähren Plan darüber habe, was ich jetzt machen möchte. Vorher wollte ich nicht mit meinen Eltern über meine Entscheidung sprechen. Eine ungefähre Vorstellung, wie es weiter gehen soll, mindert die Skepsis und Sorgen von Eltern ungemein. Es geht nicht darum, einen konkreten Plan zu haben, sondern etwas aufzuzeigen, womit man arbeiten kann. Selbst, wenn man sich nur vornimmt, Praktika zu machen. Dadurch lernt man seine Fähigkeiten besser kennen und hat die Möglichkeit sich auszutesten.

Wie haben sie reagiert?

Ich habe es zuerst meiner Mutter erzählt. Mir fiel es leichter nur mit einem Elternteil über meine Entscheidung zu sprechen. Die erste Frage war: „Bist du dir sicher?“ und danach „Was ist jetzt dein Plan?“ Meine Eltern waren nicht begeistert, aber sie haben mich trotzdem immer unterstützt. Sie haben mir zwar ein bisschen Druck gemacht, dass ich mich um eine Ausbildungsstelle bemühe. Das resultierte aber überwiegend aus ihrem Wunsch, dass ich abgesichert bin.

Beim ersten Wechsel hast du dich nicht beraten lassen. Als dann beim zweiten Mal Zweifel aufkamen, sah das anders aus. Was hat dich dazu bewegt?

Als ich meinen Studiengang gewechselt habe, hatte ich einen Plan B. Mir war klar: Wenn BWL nicht passt, dann studiere ich Germanistik. Dieses Mal war das nicht so. Ich wusste nicht, wo ich hinwollte. Ich wusste nur, dass eine Ausbildung interessant sein könnte. Meine Eltern haben mir dann ans Herz gelegt, mich beraten zulassen. Es gibt so viele Ausbildungen, die man selbst nicht kennt, deswegen kann es nie schaden mit einem/-r Expert*in darüber zu sprechen.

Wenn auch du den Wunsch nach einer Beratung hast, findest du hier eine Vielzahl an professionellen Beratungsangeboten in deiner Nähe.

Daraufhin hast du die Veranstaltung „move! Den eigenen Weg finden“ besucht. Das ist eine Infoveranstaltung der HHU und der HSD, welche in regelmäßigen Abständen stattfindet und sich an Studierende mit Zweifeln am Studium richtet. Hat dir die Erkenntnis, dass du nicht allein bist, geholfen?

Ja. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es mir geholfen hat. Der Austausch unter den Studiereden war nicht so groß. Es war eher eine Veranstaltung, bei der man sich an den Infoständen beraten lassen konnte. Aber zu sehen, dass ich nicht ganz so allein mit meinen Zweifeln bin, wie ich dachte, half mir sehr. Und das lief auch sehr gut, ich wurde freundlich empfangen und mir wurden viele Tipps gegeben, an welche Stände ich noch gehen könnte. Glücklicherweise kannte ich meinen Wunsch-Bereich schon und konnte mich so gezielt beraten lassen.

Was würdest du jemandem, der mit seiner zweiten Studienwahl auch nicht glücklich ist, mit auf den Weg geben?

Lass dich nicht unterkriegen. Es ist normal, falls du anfangs Angst vor der Zukunft hast und auch, dass diese beim zweiten Wechsel oder Abbruch größer ist als beim ersten Mal. Mache Praktika und setze dich noch mal mit deinen Interessen, Fähigkeiten und Zielen auseinander um beim nächsten Mal deine richtige Entscheidung zu treffen. Du solltest nicht zögern, wenn du genau weißt, dass etwas nicht stimmt. Wenn du die Entscheidung innerlich schon gefällt hast, dann solltest du handeln. Sonst machst du dir nur zu viele Gedanken. Sobald du merkst, dass es nicht der richtige Weg ist, solltest du dir jemandem zum Reden suchen und dich beraten lassen. „Hör auf dein Bauchgefühl.”

Vielen Dank für deine Zeit und Offenheit Isabell.

Wer mehr über Isabells Zeit als Studienwechslerin, -aussteigerin und erfolgreiche ankommerin lesen möchte, kann das hier tun.

Wie du siehst, ist völlig in Ordnung auch beim zweiten Mal an seinem Studium zu zweifeln. (Die Welt geht nicht unter, nur weil man nicht sofort dort angekommen ist, wo man später mal hinmöchte und auch nicht, wenn man vielleicht noch nicht weiß welche Richtung eingeschlagen soll.) Hilfreich ist aber, sich bei Zweifeln Unterstützung zu suchen, um die Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können. Gerade eine professionelle Beratung kann dir ein Gefühl von Sicherheit geben und alternative Wege aufzeigen, die du alleine vielleicht nicht gefunden hättest.

Mit seiner zweiten Wahl ebenfalls nicht glücklich zu sein und sich für etwas anderes zu entscheiden, ist kein Scheitern, sondern das Eingestehen davon, dass man einen Neuanfang braucht.

In der Reihe Rund um den Studienwechsel” beleuchtet Ceyda die Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln, dabei aber immer aus der Perspektive einer Studienwechslerin.

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