„Ich bin stärker als meine Rückschläge“

Clara-Fehrmann_Vorbereitung-aufs-Juraexamen_Studienzweifel

Wie geht man mit einer nicht bestandenen Klausur um? Wie kann man Prokrastination überwinden? Wann hält man trotz Studienzweifel durch? Wann nicht? Clara findet ihre Antworten auf diese Fragen in einem Studium, das nicht ihre erste Wahl war: Jura.

„Ist das nicht total trocken und langweilig?“ Diese Frage höre ich immer wieder. Ich studiere Jura. Die Antwort darauf fällt mir nicht leicht, denn eigentlich sollte ich doch für mein Studium brennen, mich dafür begeistern und das auch nach außen tragen können. Die ehrliche Antwort ist aber, dass es mich tatsächlich oft langweilt, mir der Stoff zu abstrakt und das juristische Denken zu spezifisch ist.

Das Studium habe ich vor viereinhalb Jahren begonnen. Es war ein Neustart für mich. Nach dem Abitur wollte ich ursprünglich Medizin studieren, mit einem Schnitt von 2,2 wurde ich jedoch nicht zugelassen und versuchte es ein Semester lang mit Ethnologie in Frankfurt. Ich hatte nur 8 Semesterwochenstunden Vorlesungen, mir fehlte die Struktur, ich kam nicht richtig rein und habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Deswegen habe ich entschieden, etwas zu machen, das mich meinem Traum Medizin näherbringt: Ich habe mich für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin beworben und in NRW auch zeitnah einen Platz angeboten bekommen.

Während der Ausbildung hatten wir dann auch Unterricht zu den rechtlichen Aspekten, unter anderem bei zwei Anwälten. Das fand ich spannend. Ich bewarb mich für den Studiengang Rechtswissenschaften und konnte ein halbes Jahr nach Abschluss meiner Ausbildung damit anfangen. Ich wollte endlich mal ankommen, gleichzeitig nahm ich mir vor, mir nicht so viel Druck zu machen und ein bis zwei Semester Zeit zu lassen, um zu entscheiden, ob es bei Jura tatsächlich bleiben soll. Ich merkte schon im ersten Semester, dass ich nicht so viel Freude an den Vorlesungen, den AGs, dem Fälle-Lösen hatte. Für mich überraschend schrieb ich aber in allen Klausuren so gute Noten, dass ich entschied, weiterzumachen. Ich erhielt sogar eine Einladung zum Exzellenzkurs.

Im zweiten Semester gab es dann einen herben Rückschlag: Von vier Klausuren meldete ich mich von zweien wieder ab, davon wiederum bestand ich nur eine. Ein Schlag ins Gesicht. Die Studienzweifel wurden stärker. Ich hatte einfach das Semester über konstant zu wenig gelernt, mich ein wenig in Sicherheit gewiegt, weil ich im letzten Semester mit vermeintlich wenig Lernen doch gute Noten bekommen hatte. Aber: Jura ist kein Studienfach, das es einem nachsieht, wenn man sich auf bisherigen Leistungen ausruht. Es kommt mehr Stoff hinzu, der auf dem bereits vorher Erlernten aufbaut. Mein Bulimie-Lernen aus dem ersten Semester war zu kurzfristig gedacht. Doch ich wollte nicht aufgeben und wieder ein Studium ohne Abschluss beenden, noch dazu ohne einen Plan B.

Ich hatte Angst davor, mich mir selbst zu stellen. Dennoch fasste ich den Entschluss, die Hilfe der universitären Studienberatung in Anspruch zu nehmen, machte einen Termin aus. Dort bekam ich Tipps gegen das Prokrastinieren, die Aufschieberitis bis auf den letzten Drücker: Zeitplan erstellen, realistische Ziele setzen, den großen zu lernenden Haufen in kleine, zu bewältigende Portionen aufteilen. Ich entschied mich dazu, die verlorenen Klausuren aus dem zweiten Semester im dritten wieder aufzuholen, wenigstens teilweise. Ich meldete mich für sieben Klausuren an, von einer wieder ab. Aber die sechs Klausuren, die ich schrieb, bestand ich.

Vor einigen Monaten habe ich mein erstes Examen geschrieben. Der Weg dahin war kein leichter. Die Examensvorbereitung sieht bei den meisten so aus, dass man ein Jahr lang ein Repetitorium besucht, einen Kurs, in dem der gesamte examensrelevante Stoff wiederholt wird. Das Repetitorium nimmt etwa 10 Stunden pro Woche in Anspruch, die jedoch eigenständig nachgearbeitet werden müssen. Es wird gesagt, dass man ca. 40-50 Stunden pro Woche lernen und jede Woche mindestens eine 5-stündige Klausur zur Übung schreiben müsse. Dass man kein Wochenende mehr habe, denn auch an Samstagen und Sonntagen müsse gelernt werden. Ich fühlte mich von Anfang an erschlagen und dachte, die Menge an Stoff schaffe ich nie.  Auch meinen Nebenjob im Krankenhaus wollte ich nicht aufgeben.

Ich habe es nicht geschafft, vierzig Stunden die Woche zu lernen. Ich saß oft unvorbereitet im Repetitorium und einiges kam mir spanisch vor. Aber ich bin jedes Mal hingegangen. Ich habe mich morgens mit einer Freundin an der Bib verabredet, damit ich keine Ausrede hatte, zu Hause zu bleiben. Inzwischen habe ich den schriftlichen Teil des Examens bestanden. Es fehlt nur noch der mündliche. Trotz aller Zweifel bin ich drangeblieben, auch wenn es mir schwerfiel, mich zu motivieren. Erfolgserlebnisse waren der größte Antrieb weiterzumachen: das Gefühl, etwas verstanden zu haben, Klausuren zu bestehen, mit jeder bestandenen Klausur näher an der Zwischenprüfung zu sein und diese schließlich gemeistert zu haben. Im Voraus habe ich mich jedoch verrückt gemacht. Die Vorstellung, täglich 12 Stunden in der Bib zu sitzen, hat mich gelähmt. Doch das muss man gar nicht. Mit einem strukturierten Lernplan wird der Stoff überschaubarer, machbar, und man kann auch ein bis zwei Tage pro Woche Freizeit einplanen. Und eine nicht bestandene Klausur, eine schlechte Note, ein Misserfolg sind auch kein Grund, sich zu schämen. Ich kenne noch nicht meine Noten und weiß nicht, ob ich damit zufrieden sein werde. Es war mein Freischuss, das heißt, ich habe einen Verbesserungsversuch, den ich wahrnehmen kann, wenn ich möchte. Aber ich bin stolz auf mich und weiß jetzt, dass ich durchhalten kann und stärker bin als meine Rückschläge.

Prof. Dr. Petra Kleinbongard

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