Survival-Guide fürs Studium

Diese 10 Tipps helfen, wenn du die Orientierung im Studium verloren hast

Huch! Wo sind denn auf einmal alle hin? Gerade noch warst du mit Kommiliton*innen in der ersten Uni-Vorlesung und hast dich gefragt, wovon die Rede war und im nächsten Moment treffen sich alle mit ihrer Lerngruppe oder verfassen eine wissenschaftliche Hausarbeit? Wenn du im Studium nach ein paar Wochen, Monaten oder Semestern den Überblick verloren hast, helfen diese Tipps, um dich wieder auf Kurs zu bringen!

Übersicht

1. Mach dich mit den Anforderungen im Studium vertraut

2. Lies die Prüfungsordnung und das Modulhandbuch

3. Mache dich mit der Bibliothek vertraut

4. Mach dir bewusst, dass Studieren dein Job ist

5. Bereite Vorlesungen vor und nach

6. Lerne zu lernen!

7. Beginne rechtzeitig mit dem Lernen

8. Gehe in Sprechstunden

9. Knüpfe aktiv Kontakte und suche Anschluss

10. Don’t panic!

Studienzweifel können sich in jeder Phase des Studiums bemerkbar machen, im ersten oder im zehnten Semester. Oftmals stellt jedoch gerade der Studienbeginn eine besondere Herausforderung dar, alles ist neu und unbekannt. Studienanfänger*innen müssen zunächst einmal Orientierung gewinnen, erklärt Dr. Ulrich Heublein vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung: „Sie sind in einer völlig neuen Lebensphase, von neuen Menschen umgeben, die sie alle kennenlernen wollen, sie müssen sich eine neue Organisation des Lebens und des Studierens erarbeiten. All das führt dazu, dass viele sich überfordert fühlen und schon zu Studienbeginn aussteigen.“ Damit die anfänglichen Zweifel und die Verunsicherung nicht zur unüberwindbaren Hürde für dich werden, haben wir Tipps zusammengetragen, um deine Studienmotivation neu zu entfachen. So studierst du nicht nur ordentlich, sondern auch gut organisiert:

1. Mach dich mit den Anforderungen im Studium vertraut

Anders als noch zu Schulzeiten wird an einer Hochschule Selbstständigkeit und eigenaktives Studieren von dir erwartet. Das führt einerseits dazu, dass du mehr Freiheiten genießt – beispielsweise selbst entscheidest, ob du zur Vorlesung erscheinst oder wie viele Prüfungen du in einem Semester ablegst – anderseits erfordert ein Studium somit auch ein erhebliches Maß an Selbstdisziplin. Mach dir bewusst, dass du aus freien Stücken studierst und du allein die Verantwortung für deinen Studienerfolg trägst. Es wird von dir erwartet, dass du dir komplexe Inhalte selbständig aneignest, entsprechend deines Studienverlaufsplans agierst und dir ggf. Unterstützung suchst. Die fachlichen Anforderungen sind an einer Hochschule, an der wissenschaftlich gearbeitet wird, deutlich höher als noch in der Oberstufe und die Stoffmenge für einzelne Uniprüfungen ist mit der des Zentralabiturs vergleichbar. Es ist wichtig, die Anforderungen eines Studiums und deines Studiengangs zu kennen, um dementsprechend lernen und planen zu können. Doch keine Angst: Aller Anfang ist schwer und mit der Zeit lernst du, den Arbeitsaufwand und die Erwartungen von Dozierenden besser einzuschätzen. So ist es für dich nach einigen Semestern vollkommen klar, dass du die umfangreiche Lektüreliste des Seminars nicht aktiv gelesen haben musst, nimmst diese wahr und wählst bewusst bestimmte Werke und Kapitel aus.

2. Lies die Prüfungsordnung und das Modulhandbuch

Um die Anforderungen im Studium zu kennen und dir in jedem Semester einen sinnvollen Stundenplan zu erstellen, ist es hilfreich, das Modulhandbuch deines Studiengangs gelesen zu haben. Hier erfährst du, welche Veranstaltungen du besucht haben musst, um ein Modul erfolgreich abzuschließen, welche Bereiche deines Studiums zum Pflicht- und welche zum Wahlplichtbereich gehören und wie viele Credit Points (1 CP entspricht etwa 30 Arbeitsstunden) dem jeweiligen Modul zugeordnet werden. Diese Vorgaben werden oft anhand von übersichtlichen Tabellen aufgeschlüsselt, die du dir für den nötigen Überblick und zur Motivation auch ausdrucken, aufhängen und abhaken kannst. Prüfungsordnungen erweisen sich oft als sehr trockene, jedoch informative und teilweise überlebensnotwendige Lektüre für Studierende. Hier findest du wichtige Hinweise zur Bachelorprüfung, zur Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen sowie zum endgültigen Nichtbestehen einer Prüfung. Für den Hinterkopf: Dozierende sind nicht dazu verpflichtet, dich über die Anzahl deiner Prüfungsversuche zu informieren oder dir mitzuteilen, wie du im Krankheitsfall von einer Klausur zurücktrittst!

3. Mache dich mit der Bibliothek vertraut

Du bist im zweiten Semester an der Universität und warst noch nie in der Unibibliothek? Eine Einführung brauchst du nicht, weil du mit dem Konzept einer Bibliothek vertraut bist und es in der Stadtbücherei ja auch geklappt hat? Falsch! Die Bibliothek einer Hochschule ist eine kleine, komplexe Welt für sich und funktioniert von Uni zu Uni und von FH zu FH unterschiedlich. Es gibt hier nicht nur Bücher zum Ausleihen, sondern auch Präsenzbestand, E-Books und -Journals, die Möglichkeit zur Fernleihe, Online-Datenbanken und -Kataloge, Multimediazentren, Handschriftenlesesäle und Gruppenarbeitsräume. Zum Glück gibt es auch Einführungskurse und Infomaterialien, die dir das Mysterium Hochschulbib näherbringen und viel Zeit ersparen! Teilweise erhältst du sogar essenzielle Tipps für die Literaturrecherche, die für das nächste Referat oder die Hausarbeit Gold wert sind.

4. Mach dir bewusst, dass Studieren dein Job ist

Zu Beginn des Studiums wirst du zunächst Einführungsvorlesungen besuchen müssen, die dir grundlegendes Wissen und Verständnis für deinen Fachbereich vermitteln und auf denen vertiefende Seminare aufbauen. So hast du in den ersten Semestern wahrscheinlich weniger Semesterwochenstunden, also Zeiten, die du tatsächlich in Lehrveranstaltungen verbringst. Wenn dein Stundenplan viele Leerräume aufweist, erweckt dies schnell den Eindruck von viel Freizeit. Doch Studieren hört nicht auf, wenn du den Hörsaal oder das Zoom-Meeting verlässt. Mach dir bewusst, dass Studieren und somit Lernen dein Job ist. Dafür kann es hilfreich sein, aus dem Unialltag einfach einen 9-to-5 zu machen, um dir selbst feste Strukturen zu schaffen: So beugst du Prokrastination vor und gerätst weniger in Gefahr, mit deinen Studienleistungen in Verzug zu geraten.

5. Bereite Vorlesungen vor und nach

Zu deinem Job gehört es auch, Vorlesungen und Seminare vor- und nachzubereiten. Das heißt im Grunde genommen, dass du deine Hausaufgaben als Studierende*r machst und während des gesamten Semesters lernst, nicht erst in der Prüfungsphase. Einer Vorlesung, zu der man die zugrundeliegende Fachliteratur gelesen hat, kann man viel besser folgen. Auf diese Art und Weise kannst du während des Vortrags dein Verständnis des Stoffes überprüfen und ggf. wichtige Rückfragen stellen. Genauso wichtig ist es, das Vorlesungsskript im Anschluss nachzubereiten, um am Ball zu bleiben. Fass die wesentlichen und prüfungsrelevanten Inhalte nach der Veranstaltung in eigenen Worten zusammen – so bleiben sie besser im Gedächtnis und du schaffst eine wichtige Grundlage für die Prüfungsvorbereitung. Dabei kann dir die Cornell-Methode helfen, bei der du durch eine strukturierte Mitschrift bereits mögliche Prüfungsfragen und fachliche Inhalte herausfilterst.

6. Lerne zu lernen!

Damals in der Schule war es möglich, eine Klausur zu bestehen, ohne überhaupt gelernt zu haben, einfach weil man Unterricht teilgenommen hat. An einer Hochschule ist das leider anders. Daher ist es für Studienanfänger*innen essenziell, das Lernen wieder zu lernen oder für sich zu entdecken. Mach dir bewusst, dass ein erfolgreicher Lernprozess mehrere Phasen beinhaltet: das Sichten und Skizzieren des Lernstoffs, das Auswendiglernen, die Wiederholung sowie eine anschließende Vertiefung und Kontextualisierung. Wenn du überprüfen möchtest, ob du die behandelten Theorien und Sachverhalte wirklich verstanden hast, kann es hilfreich sein, sie anderen zu erklären oder einen Zusammenhang zu anderen Themen deines Fachbereiches herzustellen. Aber: Jeder Mensch lernt unterschiedlich. Die einen lernen besser im Austausch in der Gruppe, die anderen lieber allein zu Hause mit Karteikarten. Daher ist es wichtig, sinnvolle Lerngewohnheiten zu entwickeln, die deinen Bedürfnissen, Vorlieben und Stärken entsprechen. Wo kannst du dich konzentrieren: in den eigenen vier Wänden, der Bibliothek oder doch im Café um die Ecke? Bist du eher ein früher Vogel, der morgens am besten lernen kann oder werden deine Gehirnzellen erst in den frühen Abendstunden richtig aktiv? Welcher Lerntyp bist du? Lernst du am besten durch Zuhören, Learning by Doing oder erstellst du leidenschaftlich gerne Skizzen und Mindmaps? Grundsätzlich gilt: Erlaubt ist, was gefällt – und funktioniert! Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass du deine Lernstrategie reflektieren und anpassen solltest, wenn sie wiederholt zu Problemen geführt hat.

Nachfolgend findest du eine Übersicht der vier verschiedenen Lerntypen und ihrer besten Strategien, um sich Inhalte anzueignen:

Die vier verschiedenen Lerntypen

7. Beginne rechtzeitig mit dem Lernen

Wenn die Motivation mal wieder ausbleibt, sorgt spätestens der Zeitdruck für den nötigen Antrieb. Im Studium geht diese Rechnung oftmals nicht auf: Der Lernstoff übersteigt den einer Schulklausur bei weitem, sodass ein gutes Zeitmanagement erforderlich ist, um sich auf alle prüfungsrelevanten Inhalte vorzubereiten. Wer demnach erst in der Nacht vor der Klausur mit dem Lernen beginnt, wird voraussichtlich enttäuscht. Außerdem benötigt das Gehirn Wiederholungen – und Schlaf! – um Inhalte zu verinnerlichen. Daher solltest du dir einen langfristigen und realistischen Zeitplan erstellen: Welche Inhalte werden in der Klausur abgefragt und bis wann musst du einzelne Teilbereiche abgeschlossen haben, um zum Prüfungstermin rechtzeitig fertig zu werden? Realtisch ist ein Zeitplan dann, wenn er auch Pufferzeiten und Freizeit enthält.

8. Gehe in Sprechstunden

Bei Fragen zum Studium wendest du dich an die Studienberatung, Fragen zum Studiengang kannst du an die Fachstudienberatung richten und konkrete inhaltliche Fragen zu Prüfungen und Seminaren beantworten dir Dozent*innen. So einleuchtend das klingen mag – viele Studierende nutzen die Angebote der Hochschule nicht und vermeiden Sprechstunden, weil sie als unnütz, umständlich oder unangenehm empfunden werden. Tatsächlich kann dir ein persönliches Gespräch mit Hochschulmitarbeitenden jedoch viel Zeit und Recherchearbeit ersparen und dich vor falschen Annahmen bewahren, die oftmals durch das Prinzip der Stillen Post und den Uni-Buschfunk entstehen. Du weißt nicht, nach welcher Prüfungsordnung du studierst, ob dir das Praktikum angerechnet werden kann, wie viele Seiten die Seminararbeit umfassen muss oder welches Literaturverzeichnis sich die Professorin wünscht? Frag selbst nach und verlass dich nicht aufs Hörensagen und Nacherzählungen deiner Kommiliton*innen. Auch bei Prüfungen und Hausarbeiten lohnt es sich, das Gespräch mit den Dozierenden zu suchen – besser zu früh als zu spät. Das erspart dir möglicherweise eine Menge Arbeit und eventuell springt auch noch eine wichtige Info für die Klausur oder ein Lektürehinweis dabei heraus!

9. Knüpfe aktiv Kontakte und suche Anschluss

Du bist introvertiert, ohnehin lieber allein oder hast genug Freunde in der Heimat? Papperlapapp! In der Uni macht es sich nicht bezahlt, Einzelkämpfer*in zu sein. Wer wartet sonst mit einem Kaffee vorm Hörsaal auf dich oder leiht dir die Mitschrift aus der letzten Vorlesung? Mit wem isst du gemeinsam in der Mensa oder bildest eine Lerngruppe? Versuche im Studium aktiv Kontakte zu knüpfen und Anschluss zu suchen. Wie das gelingen kann, erklären wir im Blogbeitrag „Anschluss finden im Studium.“ Auch deine Freunde aus der Heimat werden neue Menschen kennenlernen, also spring über deinen Schatten und sprich deine Kommilitoninnen an, beispielsweise in der berühmten akademischen Viertelstunde vor Vorlesungsbeginn oder im Rahmen von Gruppenreferaten. Nutz auch die Angebote, die die Hochschule macht: Orientierungswochen, außercurriculare Veranstaltungen, Fachschaftspartys, AGs oder den Hochschulsport. Viele Angebote finden inzwischen auch digital statt.

Und last but not least…

10. Don’t panic!

Wenn dir zu Studienbeginn noch der Durchblick fehlt, ist das vollkommen normal. Vermutlich wird es allen Erstis so gehen, auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen. Deshalb soll an dieser Stelle erneut auf Punkt 9 verwiesen werden: Tausch dich mit deinen Kommiliton*innen aus, dann merkst schnell, dass du dich nicht „dumm“ fühlen musst. Gemeinsam lässt sich die eigene Unsicherheit und Unwissenheit doch gleich viel leichter ertragen. Auch in höheren Semestern sitzt man hin und wieder in Vorlesungen, ohne auch nur ein einziges Wort zu verstehen. Als Studi gewöhnst du dich an dieses Gefühl und nimmst es bald mit sokratischer Gelassenheit hin: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Außerdem solltest du mit fortlaufendem Studium (und mithilfe dieser Tipps) eine Studienorganisation entwickeln und herausfinden, wie du am besten lernst und arbeitest. Lass dich daher von den Lerngewohnheiten, dem Studienverhalten und den Noten deiner Freund*innen nicht aus der Ruhe bringen. Vergleich dich nicht im anderen, schau lieber, wie studieren für dich funktioniert!

Falls deine Zweifel nach den ersten Semestern fortbestehen, lohnt es sich, der Sache auf den Grund zu gehen und die Studienwahl zu überprüfen. Hier können individuelle Beratungsgespräche an deiner Hochschule helfen und dir neue Orientierung bieten.

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