Neun Wartesemester bis zum Psychologie-Studium

Und – wie fühlen Sie sich dabei?

Studienzweifel im Psychologiestudium

Psychologie zählt zu einem der beliebtesten Studiengänge in Deutschland – der NC ist jedoch recht hoch und befindet sich im 1, -Bereich. Auch Maren wird nicht direkt zugelassen und wartet neun Semester auf ihr Traumstudium: Doch hat sich die Warterei letztendlich gelohnt?

„Bereits während des Abiturs stellte ich fest, dass mich Psychologie fasziniert. Ich bewarb mich an 14 Unis für das Studienfach, wurde jedoch – aufgrund meines NCs – überall abgelehnt.

Obwohl mir durchaus bewusst war, dass das passieren kann, trafen mich die Absagen unvorbereitet: Ich wusste danach erst einmal gar nicht, was ich stattdessen machen möchte. Ich entschloss mich, zunächst ein Praktikum in diesem Bereich zu machen, um zu überprüfen, ob der Berufszweig überhaupt etwas für mich ist, bevor ich jahrelang vollkommen unbegründet auf einen Studienplatz warte.

Doch das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht, sodass ich schließlich ein achtwöchiges Praktikum auf einer neurologischen Station in einem Krankenhaus absolvierte, welches leider nur am Rande Berührungspunkte mit dem Fach Psychologie aufweist. Trotzdem machte mir das Praktikum großen Spaß und ich kam auf die Idee, eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu machen.

Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hat mich die Agentur für Arbeit unterstützt: Sie hat mir mögliche Ausbildungsplätze zugeschickt, sodass ich mir davon welche aussuchen und mich bewerben konnte. Ich bekam eine Zusage aus Münster und zog um. Alles war aufregend und neu, ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, auf eigenen Beinen zu stehen.

„Nach der Ausbildung arbeitete ich noch eineinhalb Jahre als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Der Wunsch, Psychologie zu studieren, ließ jedoch nicht nach. Schließlich bekam ich – nach neun Wartesemestern – einen Studienplatz in Bielefeld.“

Auf der einen Seite freute ich mich, endlich das machen zu können, worauf ich so lange gewartet hatte. Andererseits war ich aber auch traurig über alles, was ich aufgeben musste. Ich hatte gehofft, in Münster einen Studienplatz zu bekommen,denn dort hatte ich mir einen festen Freundeskreis aufgebaut. Auch das fehlende Gehalt machte mir Sorgen. Doch die abgeschlossene Ausbildung war natürlich ein Faktor, der mir Sicherheit gab, falls mir das Studium doch nicht gefallen würde.

Nach einem Semester Eingewöhnungsphase suchte ich mir in Bielefeld einen Teilzeitjob als Gesundheits- und Krankenpflegerin. Dieser bot im Vergleich zu einem herkömmlichen studentischen Nebenjob entscheidende Vorteile: Mein Stundenlohn war höher, sodass ich für das gleiche Geld weniger arbeiten musste. Trotzdem waren meine Ausgaben höher als mein Einkommen, denn auch wenn ich Vorteile mit meinem Nebenjob hatte, war das Gehalt natürlich nicht vergleichbar mit dem eines Vollzeitjobs. Das bedeutete einsparen, einsparen, einsparen – und damit einen großen Unterschied zu meinem Leben als Berufstätige, als Aktivitäten wie Essen gehen oder Einkaufen ohne größeres Überlegen möglich waren.

„Die Umstellung auf das Studium war nicht leicht. Statt geregelter Arbeitszeiten und bekannten Anforderungen, sah ich mich nun mit anhaltendem Leistungsdruck konfrontiert.“

Für die Uni gibt es immer etwas zu tun – auch am Wochenende oder nach Feierabend. Das erfordert viel mehr Selbstdisziplin und Eigenverantwortlichkeit als die praktische Arbeit im Krankenhaus. Denn in meinem Studium bin ich niemandem etwas „schuldig“, ich arbeite nicht für die Patienten, sondern nur für mich selbst. Gerade in den ersten Semestern hatte ich mit meiner Motivation und auch mit Zweifeln zu kämpfen, denn im Grundlagen-Studium gab es wenige Kurse, die mich wirklich begeisterten: Wir diskutierten keine psychologischen Fallbeispiele, sondern zerbrachen uns über empirische Forschungsmethoden und Statistik den Kopf. Zum Glück hat sich dies mit fortschreitenden Semestern geändert und mittlerweile konnte ich viele Seminare besuchen, die mir Freude bereitet haben. Außerdem war es gut, dass ich mich bereits vor dem Studienbeginn so intensiv mit seinen Inhalten beschäftigt hatte und demnach wusste, worauf ich mich einlasse.

Der Unterschied zwischen einem praktischen Beruf und einem theorielastigen Studium war groß und anstrengend für mich. Auch das Aufrechterhalten der Motivation ist über die Jahre hinweg schwierig. Durch die vorherige Ausbildung bin ich am Ende meines Studiums 30 Jahre alt und fange dann erst wieder an, richtig Geld zu verdienen. Dazu kommt, speziell beim Studiengang Psychologie, dass ich nur dann Therapeutin werden kann, wenn ich nach dem Studium noch eine Ausbildung mache, die man derzeit selbst bezahlen muss. Ich habe mich gegen diese erneute Ausbildung entschieden und möchte endlich wieder richtig arbeiten.

Insgesamt bin ich froh, dass mein Weg mich so geführt hat. Besonders der Kontakt mit den verschiedenen Menschen war sehr bereichernd und hilfreich für das Studium. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die Ausbildung zur Therapeutin wahrscheinlich gemacht hätte, wenn ich direkt nach dem Abitur angefangen hätte zu studieren.

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