Studienwechsel von der Uni an die FH

Von Zahlensättigung und Kreativitätshunger

Sudienwechsler Jan_Von der Uni an die FH

Jan ist unglücklich mit seinem Studium an der Universität und wechselt an eine Fachhochschule. Wie unterscheiden sich die beiden Studienformen und was hat sich für ihn persönlich verändert?

Ist es wirklich das, was ich mein Leben lang machen möchte? Studiere ich wirklich das Richtige? Diese Fragen gingen mir öfter durch den Kopf, während ich in den Vorlesungen des dritten Semesters meines Bauingenieurstudiums saß. Meine nächste Frage war: Wie bin ich überhaupt hier gelandet? Warum studiere ich ein Fach, in dem man hauptsächlich rechnet, obwohl Rechnen nie eine meiner Stärken gewesen ist?

Um die Antwort auf diese Fragen zu finden, erinnere ich mich zurück an die Zeit der Studienwahl. Mein eigentlicher Wunsch war es schon während der Schulzeit Architektur zu studieren. Ich absolvierte Praktika bei verschiedenen Architekten und ich konnte mir immer besser vorstellen, welche Aufgaben ein Architekt hat. Mir gefielen die Praktika und der Beruf des Architekten sehr gut und ich konnte mir gut vorstellen, etwas in diese Richtung zu studieren. Mir gefiel es schon immer mich kreativ auszuleben und schon als Kind konnte ich mich Stunden und tagelang damit beschäftigen Dinge aus Lego zu bauen und meiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Als die Studienwahl dann näher rückte und ich erzählte, dass ich Architektur studieren wollte, hörte ich dann immer das Gleiche: Findet man denn dann später überhaupt einen Job? Diese Frage konnte ich natürlich nicht beantworten – und auch sonst konnte das niemand mit hoher Sicherheit. Ich begann zu zweifeln: Was bringt es mir zu studieren, wenn ich mit meinem Studium später nichts anfangen kann und ich keinen Job bekomme?

Dann erzählte mir jemand vom Beruf des Bauingenieurs, mit dem ich mich vorher noch gar nicht richtig auseinandergesetzt hatte und von dem ich noch nicht so viel gehört hatte. Schon nach kurzer Zeit fand ich heraus, dass die Berufschancen eines Bauingenieurs als deutlich besser eingeschätzt wurden. Kurzerhand entscheid ich mich für das Studium und schrieb mich an einer Universität ein.

Ich studierte drei Semester mehr oder weniger erfolgreich vor mich hin und merke, dass es mir Spaß machte, mich mit dem Bauwesen und den verschiedenen Anforderungen und Aufgaben auseinanderzusetzen. Ich bekam immer mehr einen Eindruck davon, was es eigentlich heißt, ein Gebäude zu bauen und was alles dazugehört. Im zweiten Semester hatte ich das Fach CAD, beschäftigte mich also mit dem Zeichnen von Plänen am Computer. Durch meine Praktika hatte ich bereits Erfahrungen mit solchen Zeichenprogrammen und das Fach machte mir viel mehr Spaß als all die anderen bisher. Aufgrund dieser Erkenntnis merkte ich, dass mir die Kreativität in meinem Studium fehlte und ich es mir nicht vorstellen kann mein Leben lang zu rechnen und mit Formeln zu arbeiten.

Als erstes erzählte ich meiner Familie und meinen Freunden von meinen Zweifeln am Studium. Sie rieten mir zu einer Beratungsstelle an meiner Hochschule zu gehen und mich dort zu informieren, welche Schritte als nächstes zu tun sind.

Dadurch, dass ich gemerkt hatte, wie wichtig es für mich ist, kreativ sein zu können und durch die Erkenntnis, dass mich das Bauwesen sehr interessiert, informierte ich mich erneut über das Architekturstudium. Bei meinem Beratungstermin interessierte mich, ob es möglich war, das Studium innerhalb der Hochschule zu wechseln und sich – durch die Ähnlichkeit des Studiums – manche Fächer anrechnen zu lassen. Die Beratungsstelle konnte mir bei meinen offenen Fragen sehr gut weiterhelfen. Sie informierte mich sowohl über den Ablauf des Studienwechsels als auch über den Ablauf der Exmatrikulation. Bei genauen Fragen zum Anrechnen der verschiedenen Fächer konnten sie mir nicht weiterhelfen, verwiesen mich jedoch an die Fachschaft Architektur. Von ihr erfuhr ich, dass ich mir nur wenige Fächer anrechnen lassen konnte und ließ mir all die neu gewonnen Informationen gut durch den Kopf gehen. Von einem Freund, der von einer Uni zu einer Fachhochschule wechselte, hörte ich zudem, wie unterschiedlich die Lehrmethoden an Fachhochschulen im Vergleich zu einer Uni sind. Ich informierte mich, dieses Mal größtenteils im Internet, aber auch bei Freunden, über die Unterschiede von Fachhochschule und Universität. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass die Fachhochschule praxisbezogener lehrt, wobei es bei einer Uni eher theoretisch zugeht.

Da Architektur etwas ist, was sich für meinen Begriff am besten praxisnah zu lernen ist und ich an der Uni bereits schlechte Erfahrungen mit zu theoretischen Vorlesungen gemacht hatte, entschied ich mich für Architektur an einer Fachhochschule. Schon bei der Bewerbung zeigte sich der Unterschied zu meinem vorherigem Studium, denn neben der formalen Bewerbung musste ich auch eine Mappe mit verschiedenen Zeichnungen anfertigen und wurde zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, in dem ich mit einem Professor und einem weiteren Lehrbeauftragten über meine Studienmotivation sprach. Dieses Gespräch zeigte mir, dass die Distanz zwischen den Lehrenden und den Studierenden an einer FH deutlich geringer ist. Aufgrund der geringen Zahl der Studierenden bekommt man zudem nicht das Gefühl, einer von vielen zu sein.

Mittlerweile bin ich im vierten Semester meines Architekturstudiums und bin immer noch sehr glücklich mit meinen zurückliegenden Entscheidungen.

Ich bereue es nicht, zuerst etwas „Falsches“ studiert zu haben, denn dieser Fehltritt hat mir viele neue Erkenntnisse gebracht und manchmal ist es auch einfach praktisch zu wissen, was man auf jeden Fall sein Leben lang nicht machen möchte.

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