„Ich bin gut in dem, was ich­ ­mache. Es erfüllt mich aber nicht“

Roxanne Schneider studiert im vierten Semester Sprachwissenschaften. Schon länger zweifelt sie, ob das Studium das Richtige für sie ist. Viele Erwartungen an das Studium blieben bisher unerfüllt. Bei NextCareer erzählt sie ihre Geschichte.

Als ich im Sommer 2016 mein Abitur in Düsseldorf gemacht hatte, war für mich klar: Damit sollte ich an die Uni gehen. Wozu sonst die Hochschulreife, wenn ich nicht versuche, zu studieren? Meine Leistungskurse waren Deutsch und Biologie – ich habe mich im Studium für eine ähnliche Variante entscheiden.

Mittlerweile studiere ich an der Heinrich-Heine-Universität Sprachwissenschaften im vierten Semester. Ab dem dritten Semester habe ich mich für den Schwerpunkt Psycho-/ und Neurolinguistik entschieden, da ich super interessiert an Biologie war.

Warum ich mich nicht für ein reines Biologiestudium entschieden habe, ist einfach zu beantworten. Meine Interessen liegen zusätzlich auch in unterschiedlichen Sprachen und ich wollte etwas über die Geschichte und Entwicklung der Sprache lernen. Da dieser Studiengang beide Interessen verbindet, schien er wie für mich gemacht.

Wendepunkt kam nach dem zweiten Semester

In den vier Semestern, die ich bereits studiert habe, habe ich viel gelernt über den allgemeinen Sprachaufbau. Dies beinhaltet Sprachmorphologie, das heißt, aus was besteht eigentlich das kleinste Element der Sprache, wie setzen sich Wörter mit Wörtern zusammen, wie entstehen Sätze und kleine Texte.

Der eigentliche Wendepunkt von Begeisterung zu Enttäuschung fing bei mir nach Beendigung des zweiten Fachsemesters an.

Die Qualität des Studiums hat mich ab Beginn des dritten Semesters nicht mehr überzeugen können, und über das, was ich eigentlich gelernt habe, war ich enttäuscht. Die Hauptaufgabe für mich war es, die kuriosesten Sprachen zu analysieren, deren Namen man nicht ansatzweise aussprechen kann.Auch von dem Schwerpunkt war ich absolut enttäuscht.

Meinen Ehrgeiz habe ich so schnell nicht verloren und ich saß tagelang hintereinander in der Bibliothek,habe mich wie ein Bücherwurm durch Bücher, Unterlagen, Skripte und Literatur durchgearbeitet. Die Klausuren liefen dementsprechend gut.

Doch da kam der größte Grund meiner Unsicherheit über einen eventuellen Studienabbruch. „Ich bin gut in dem, was ich mache. Es erfüllt mich aber nicht.“ Und mit der Zeit, verschwand durch meine Enttäuschung auch mein Interesse an der Linguistik.

Studienberatung half bei der ersten Neu-Orientierung

Besucht habe ich eine Studienberatung bei mir an der Universität, wo ich über all meine Sorgen, Wünsche und Probleme reden konnte, was ich jedem von euch auch nur ans Herz legen kann. Aus diesem Gespräch ging hervor, dass ich auf mein eigenes Bauchgefühl hören müsste und es nach dem vierten Semester sehr schade wäre, da es eine vorgegebene Regelstudienzeit von insgesamt sechs Semestern gibt. Auch mit meiner Familie, mit meinen Freunden und Bekannten habe ich offen gesprochen. Doch bei all diesen Gesprächen kam ich persönlich nicht weiter.

Da ich nicht schnell aufgebe, habe ich also erstmal weiter studiert. Niemals wollte ich mir persönlich eingestehen, dass ich etwas für meine Zukunft abbreche. Aber irgendwann kommt ein Punkt, da übertrifft die Enttäuschung den eigentlichen Erfolg. Ich musste mir Gedanken machen – intensive Gedanken.

Ich habe mich gefragt, „Was fehlt mir?“, „Was stört mich an diesem Studiengang?“, „Bin ich zu unqualifiziert mein Studium zu bewältigen“, „Ist ein Studium für mich die richtige Option?“. Ja, auch ich habe lange und oft an meinen eigenen Fähigkeiten gezweifelt, habe mich wie ein „Looser“ gefühlt.

Der bedeutendste Punkt für mich war, der fehlende Praxisbezug. Dass ein Studium weitaus theoretischer als eine Ausbildung ist, war mir klar. Für Linguistik ist kein Praxissemester vorgesehen. Ich habe oft überlegt, auch Praktika in den Semesterferien zu machen, dennoch habe ich gar nicht richtig gewusst, bei welchen Unternehmen ich mich eigentlich bewerben kann, sodass es auch beidseitig passt und ich das theoretisch Gelernte auch in die Praxis umsetzen kann.

Die Suche nach einer Ausbildung läuft

Kurz: Ich möchte in den Arbeitsalltag eingegliedert werden, möchte praktisch mit im Geschehen stehen, tatkräftig etwas unterstützen, und eine tägliche Aufgabe zu erfüllen haben. Deswegen suche ich zurzeit nach einem Ausbildungsplatz. Dieser soll weiterhin meine Leidenschaft für Sprache erfüllen – zum Beispiel im Bereich des Kommunikationsmarketings. Ein paar Bewerbungen habe ich schon geschrieben, die ersten Vorstellungsgespräche liefen und ich warte zurzeit auf die Rückmeldungen.

Heute denke ich, dass es nicht schlimm ist, dass ich das Studium begonnen habe. Ich habe vieles durch meine Zeit an der Universität gelernt und meine eigenen Fähigkeiten verbessert, vor allem selbstständiges Arbeiten, Erarbeiten und Nachforschen. Da mir das Studieren an sich viel Spaß gemacht hat, bin ich auch nicht abgeneigt, nach einer abgeschlossenen Ausbildung ein neues, fachbegleitendes Studium aufzunehmen oder dual zu studieren.

Ein paar Gedanken für andere Studienzweifler

Merkt euch, erstens, ihr seid nicht alleine mit euren Gedanken. Zweitens, ihr seid noch jung und euch stehen nach dem Abitur fast alle Wege offen. Drittens, manchmal braucht man  Zeit  auch während des Studiums – um sich beispielsweise selbst zu finden, um sich zu entwickeln und möglicherweise auch um sich gegen das laufende Studium zu entscheiden.

Am Wichtigsten ist: Seid ehrlich zu euch, denn wenn ihr bereits im Studium keinen Spaß an dem habt, was ihr tut, dann wird es sich meist im späteren Arbeitsalltag nicht ändern.

 

 

 

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