„Man kann sich Oasen innerhalb des Studiums schaffen"

Hochschulleitungen und Studienzweifel – diese beiden Themengebiete scheinen auf den ersten Blick nicht zueinander zu passen. Doch auch ein Weg, der scheinbar stringent und problemlos erscheint, weist bei genauerem Betrachten Umwege auf. Wie haben Hochschulleitungen ihren beruflichen Werdegang vollzogen, hatten auch sie Zweifel und wie sind sie damit umgegangen? In der Reihe „Hochschulleitungen und Studienzweifel“ stellt das Projekt Next Career verschiedene Persönlichkeiten aus den Hochschulleitungen der Universitäten und Fachhochschulen in NRW und ihre Geschichten vor. Den Auftakt macht Frau Prof. Dr. Halfmann, heute Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Weiterbildung an der Hochschule Rhein-Waal. Ihre vielfältigen Interessensgebiete stellten sie in ihrem Studium der BWL vor die Frage: Ist dies das Richtige oder gibt es bessere Möglichkeiten? Wie sie mit diesen Gedanken umgegangen ist, erfährst du in dem folgenden Beitrag.

Von der Universität über die Unternehmensberatung und wieder zurück an die Hochschule. Betrachtet man Prof. Dr. Halfmanns Lebenslauf erhält man einen Eindruck einer Frau, die schon früh wusste, wo sie in ihrer Karriere hinmöchte und dies genauso umgesetzt hat. Zweifel scheinen hier keinen Platz zu haben. Doch genauso vielfältig wie die Lebensläufe können sich auch Zweifel am Studium ausprägen. Hast auch du manchmal das Gefühl zu viele Interessen zu haben und kannst dich nicht zwischen den vielen Angeboten entscheiden? Dann kann dir der folgende Beitrag Orientierung und Hilfe bieten.

Prof. Dr. Halfmann begann 1987, direkt im Anschluss an ihr Abitur, BWL und Wirtschaftspädagogik in Köln zu studieren. Ihren Abschluss als Diplomkauffrau und das erste Staatsexamen für die Sekundarstufe I erhielt sie in Regelstudienzeit 1992. Anstatt anschließend in ein Referendariat zu gehen und das zweite Staatsexamen zu absolvieren, blieb Marion Halfmann an der Universität und promovierte parallel zu einer Stelle als wissenschaftliche Assistentin. Hier durfte sie auch Lehrveranstaltungen leiten und betreute Diplomarbeiten. Der Kontakt und die Arbeit mit Studierenden machte ihr bereits dort so viel Spaß, dass dieser Karriereweg eine Option für sie darstellte – allerdings erst für einen späteren Zeitpunkt. Zuvor ging sie zunächst in die Praxis und war sieben Jahre lang in zwei verschiedenen Unternehmensberatungen tätig. Nach der Geburt des ersten Kindes war der reiseintensive Beruf des Beraters aus ihrer Sicht nur noch schwer mit dem Familienleben vereinbar. Aus diesem Grund kehrte Frau Halfmann bereits früher als geplant an die Hochschule zurück: Als Professorin für Marketing lehrte sie an der Technischen Hochschule Köln. Später folgte der Wechsel an die relativ neue Hochschule Rhein-Waal. Ein Schritt, welchen viele nicht nachvollziehen konnten: „Eine etablierte Hochschule zu verlassen und an eine neue, noch weitgehend unbekannte Institution zu wechseln, haben viele für Wahnsinn gehalten. Im Nachhinein war dies jedoch eine super Entscheidung. So viel Aufbauarbeit hätte ich an einer tradierten Hochschule nie im Leben gelernt und so viel Internationalität hätte ich auch nicht mitbekommen.“ Fragt man Frau Halfmann nach ihrem Traumberuf in ihrer Kindheit, schließt sich an dieser Stelle der Kreis: Als Tochter einer Lehrerfamilie – Vater, Oma, Opa, Onkel und Tante waren als Lehrer*innen tätig – kam sie früh mit dem Lehrberuf in Berührung und begeisterte sich dafür. „Und die Wünsche aus der Kindheit sind wahr geworden: Ich bin heute Lehrerin, nur eben auf Hochschulniveau. Hat geklappt!“

„Man muss sich manchmal auch einfach trauen, ins kalte Wasser zu springen. Im Nachhinein ist dies immer besser als in einer Situation zu verharren, in der man sich nicht mehr zu 100 % wohlfühlt und die eigentlich nicht mehr richtig passt.“

Ihren beruflichen Werdegang beschreibt sie wie folgt: „Vieles hat sich durch Zufall ergeben. Man probiert was aus und macht einfach die Dinge, die man kann und die sich ergeben. Der Appetit kommt ein bisschen beim Essen, so war das zumindest häufig bei mir.“ Ob sie einzelne Entscheidungen bereut, kann Frau Halfmann heute verneinen: „Im Nachhinein waren alle Entscheidungen echt gut. Man muss sich manchmal auch einfach trauen, ins kalte Wasser zu springen. Im Nachhinein ist dies immer besser, als in einer Situation zu verharren, in der man sich nicht mehr zu 100 % wohlfühlt und die eigentlich nicht mehr richtig passt.“

„Man kann sich Oasen innerhalb des Studiums schaffen“

Auch wenn alle Entscheidungen zu der beruflichen Verwirklichung geführt haben, die Frau Halfmann heute lebt, kam auch sie innerhalb des Studiums mit Zweifeln in Berührung: „Gerade als Jugendliche wollte ich immer gern anderen helfen. Lehrer, Sozialarbeiter, später auch Psychologie, das waren so die Berufe, die mir zunächst gefallen hätten. Mit Blick auf die Situation auf dem Arbeitsmarkt, der damals z.B. für Gymnasiallehrer herrschte, habe ich das aber verworfen. Da ich in der Schule gerne Mathematik gemacht habe, wäre auch ein Mathe-Studium für mich in Frage gekommen, sogar mit Maschinenbau habe ich mal geliebäugelt. Das wiederum war mir alles zu wenig „mit Menschen“. Am Ende habe ich mich für einen guten Kompromiss entschieden – BWL. Gerade vor dem Hintergrund meiner „sozialen Ader“ habe ich aber natürlich häufiger darüber nachgedacht, ob so ein BWL-Studium wirklich das Richtige ist. Gerade wenn man sich durch das Grundstudium kämpfen muss – mit Themen wie Buchführung, Jura, Bilanzierung und all den Fächern, die eigentlich gar nichts mit den eigenen Interessen zu tun haben – habe ich schon oft gedacht: ‚Hättest du doch einmal lieber Psychologie gemacht.‘ Klar, diese Zweifel sind schon aufgekommen.“ Mit den Zweifeln ist sie proaktiv umgegangen und hat sich selbstständig auf die Suche nach Spezialisierungsmöglichkeiten innerhalb ihres Studiums gemacht: „Was lässt sich noch in das Studium integrieren, um die eigenen Interessen noch mit reinzubringen? Ich habe an einer großen Uni studiert – in Köln – da gab es unheimlich viele Spezialisierungsrichtungen. Und so habe ich im Studium immer versucht, Möglichkeiten zu finden, wie ich das was mich eigentlich interessiert mit dem verbinden kann, was ich gerade abschließen muss. Man kann sich Oasen innerhalb des Studiums schaffen.“

„Gerade die großen Gewinner haben oft Zweifel.“

Beratungsangebote hätte Frau Halfmann gerne in Anspruch genommen, diese gab es zum damaligen Zeitpunkt allerdings noch nicht in einem solchen Ausmaß wie heute. Umso mehr freut es sie, dass es an ihrer Hochschule verschiedene Angebote zur Thematik (Next Step niederrhein) gibt: „Es ist wichtig Orientierung im Studium zu geben. Durch unsere Studienverlaufsberatung machen wir da schon relativ viel, aber wir haben bisher kein Angebot gehabt, welches sich explizit an Studienzweifler*innen oder Studienabbrecher*innen richtet. Diese Lücke zu schließen, finde ich super. Ein Nebeneffekt, vielleicht ist es auch schon fast einer der wichtigsten, ist natürlich, dass man das ganze Thema enttabuisiert und Studienzweifel salonfähig macht. So kommt man von dem Gedanken weg, zu sagen, wer Zweifel hat, ist ein Verlierer. Ich glaube im Gegenteil:  Gerade die großen Gewinner haben auch oft Zweifel.“

„Die entscheidenden drei Sachen, über die man sich klar sein sollte, sind Interessen, Talente und Erwartungen.“

Welche Tipps würde sie Studienzweifler*innen mit auf dem Weg geben? „Die entscheidenden drei Sachen, über die man sich klar sein sollte, sind Interessen, Talente und Erwartungen. Dabei kann einem eine Beratung durch Außenstehende sehr gut weiterhelfen. Das Zweite ist dann sich auch zu überlegen, wie man innerhalb des Studiums, was man momentan realisiert, die eigenen Interessen umsetzen kann. Dies nimmt ein wenig den Druck von einem Wechsel weg. Manchmal gibt es ja auch noch einen Weg, ohne dass man abbricht. Zudem gibt es immer noch Möglichkeiten neben dem Beruf. Ich persönlich engagiere mich ehrenamtlich außerhalb meines Berufs als Jugendschöffin und in einem Kinderhilfswerk. Man muss ja nicht immer alles auf den Beruf oder die Ausbildung kanalisieren. Es gibt ja den Spruch ‚Love it, change it, or leave it.‘ Ich glaube, dies hat viel Wahres. Wenn man eine Situation nicht mag, sollte man versuchen diese zu ändern. Wenn man aber zu dem Schluss kommt, dass man sie nicht ändern kann, muss man gehen.“

Hat dich Frau Prof. Dr. Halfmanns Geschichte inspiriert? Möchtest du noch mehr erfahren? Dann kannst du das gesamte Interview im Folgenden nachlesen:

Der berufliche Werdegang

Frau Prof. Dr. Halfmann, können Sie mir zu Beginn ein wenig über Ihren Werdegang erzählen?

1987 habe ich Abitur gemacht, habe dann im gleichen Jahr angefangen erst Wirtschaftspädagogik, dann BWL in Köln zu studieren und bin 1992 fertig geworden. Meinen Abschluss habe ich somit als Diplomkauffrau gemacht sowie das erste Staatsexamen im Lehramt für die Sekundarstufe II. Das zweite Staatsexamen habe ich dann aber nicht mehr gemacht und habe stattdessen eine Stelle an einem Lehrstuhl an der Universität Köln angenommen. Parallel dazu habe ich meine Promotion abgelegt. Danach bin ich ins Berufsleben gegangen, in die Praxis, und bin dann sieben Jahre lang bei zwei verschiedenen Unternehmensberatungen gewesen. Der Schritt von der Unternehmensberatung an die Hochschule war familiär begründet. 2002 habe ich mein erstes Kind bekommen, bin dann zurück in die Unternehmensberatung gegangen und habe dort verschiedene Teilzeitmodelle ausprobiert – 60%, 80% und temporär auch mal wieder 100%. Eine Wochenarbeitszeit von 50, 60 Stunden war normal.  Das war jedoch unheimlich schwer, für mich persönlich, mit dem Familienleben zu vereinbaren. Daraufhin habe ich mich nach Alternativen umgeguckt und bin dann früher als ich es eigentlich geplant hatte, mit 35 Jahren an die Hochschule zurückgegangen. Ich hatte damals einen Ruf der TH Köln auf eine Professur für Marketing. 2012 bin ich auf eine Professur für Marketing hier an die relativ neue Hochschule Rhein-Waal gegangen.

Bevor Sie Ihre Lehrtätigkeit als Hochschulprofessorin angetreten haben, waren Sie als Unternehmensberaterin tätig. War dieser berufliche Weg von Anfang an geplant?

Das meiste hat sich tatsächlich ergeben. Als ich meine Assistenzstelle an der Hochschule innehatte und parallel promoviert habe, fand ich den Studentenkontakt schon immer super. Ich habe u.a. Seminare für meinen Doktorvater gehalten und habe Diplomarbeiten betreut. Diese Arbeit fand ich super und habe immer gedacht: Das ist eine Karriereoption für später. Letztendlich ist dies doch schon etwas früher eingetreten und ich war plötzlich mit 35 Jahren schon „Prof“.  Insofern war alles so halb geplant, aber Vieles hat sich eben auch durch Zufall ergeben. Man probiert was aus und macht einfach die Dinge, die man kann und die sich ergeben. Der Appetit kommt ein bisschen beim Essen, so war das zumindest häufig bei mir.

Was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Im Nachhinein waren alle Entscheidungen echt gut, muss ich sagen. Es war z.B. richtig die Unternehmensberatung zu verlassen und an die Hochschule zu wechseln. Das war gut für mein Leben und auch für meine Familie. Ich habe dann auch noch einmal die Hochschule gewechselt, von der Technischen Hochschule Köln zur Hochschule Rhein-Waal. Eine etablierte Hochschule zu verlassen und an eine neue, noch weitgehend unbekannte Institution zu wechseln, haben viele für Wahnsinn gehalten. Im Nachhinein war dies jedoch eine super Entscheidung. So viel Aufbauarbeit hätte ich an einer tradierten Hochschule nie im Leben gelernt und so viel Internationalität hätte ich auch nicht mitbekommen. Insofern waren dies immer echt gute Entscheidungen. Man muss sich manchmal auch einfach trauen, ins kalte Wasser zu springen. Im Nachhinein ist dies immer besser als in einer Situation zu verharren, in der man sich nicht mehr zu 100 % wohlfühlt und die eigentlich nicht mehr richtig passt.

Was war Ihr Traumberuf als Sie Kind waren?

Das ist eine einfache Frage: Lehrerin. Ich komme aus einer Lehrerfamilie, bei mir in der Familie sind alle Lehrer: Papa, Oma, Opa, Onkel, Tante und ich fand den Lehrberuf immer super. Später habe ich ein generelles Interesse an Berufen im sozialen bzw. psychologischen Bereich entwickelt. Meine beste Freundin z.B. hat Soziale Arbeit studiert, das fand ich auch irrsinnig spannend, gerne hätte ich auch Psychologie gemacht. Ein kleines Helfersyndrom habe ich bestimmt. Und die Wünsche aus der Kindheit haben sich bewahrheitet: Ich bin heute Lehrerin, nur eben auf Hochschulebene. Hat geklappt!

Was würden Sie heute studieren, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Ich, jetzt noch einmal zurückgeworfen in das Jahr 1987, würde wieder das Gleiche machen. Es hat sich so vieles für mich positiv ergeben. Ich, wenn ich 2019 Absolvent wäre: Die Welt hat sich schon geändert und ich weiß nicht, ob ich so ein sehr allgemein gehaltenes BWL-Studium erneut machen würde. Ich denke, ich würde zumindest einen internationalen Fokus einbringen und z.B. International Business studieren. Die Globalisierung hat ja mittlerweile auch in einem ganz anderen Maße stattgefunden als es 1987 der Fall war. Vielleicht würde ich heute auch tatsächlich Psychologie studieren, weil die Berufsaussichten andere geworden sind. Oder aber beides miteinander kombinieren, wie z.B. Wirtschaftspsychologie. Es gibt ja heute sehr viele Kombinationsstudienfächer, die es früher gar nicht gab. In diesen Fächern könnte ich mich wahrscheinlich noch einmal besser wiederfinden. Deswegen würde ich heute ein bisschen etwas anderes machen, aber mit Sicherheit immer mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund.

 

Studienzweifel

Hatten Sie während Ihres Studiums mit Zweifeln zu kämpfen?

Ja klar, auf jeden Fall. Gerade vor dem Hintergrund meiner „sozialen Ader“ habe ich aber natürlich häufiger darüber nachgedacht, ob so ein BWL-Studium wirklich das Richtige ist. Gerade wenn man sich durch das Grundstudium kämpfen muss – mit Themen wie Buchführung, Jura, Bilanzierung und all den Fächern, die eigentlich gar nichts mit den eigenen Interessen zu tun haben – habe ich schon oft gedacht: ‚Hättest du doch einmal lieber Psychologie gemacht.‘ Klar, diese Zweifel sind schon aufgekommen. In Bezug auf Lernmotivation gab es auch Zweifel, wobei diese bei mir zum Glück nicht so groß ausgeprägt waren.

Wie sind Sie mit diesen Zweifeln umgegangen?

Die Zweifel waren nie so groß, dass ich ernsthaft überlegt habe mein Studium abzubrechen. Aber ich war innerhalb des Studiums auch immer auf der Suche: Was lässt sich noch in das Studium integrieren, um die eigenen Interessen noch mit reinzubringen? Ich habe an einer großen Uni studiert – in Köln – da gab es unheimlich viele Spezialisierungsrichtungen. Und so habe ich im Studium immer versucht Möglichkeiten zu finden, wie ich das was mich eigentlich interessiert mit dem verbinden kann, was ich gerade abschließen muss. Das Studium lief gut, aber nicht jedes Fach hat mich gleichermaßen angesprochen. Aber im Hauptstudium gab es dann wieder speziellere Fächer, die mich sehr interessiert haben: Marketing habe ich zum Beispiel für mich entdeckt. Das ist auch so ein Gebiet, bei dem Psychologie eine gewisse Rolle spielt. Meine Doktorarbeit habe ich dann übrigens später über ein sehr zahlenlastiges Thema im Bereich der BWL geschrieben, also auch der Spaß an Mathematik ließ sich mit einbauen. Man kann sich Oasen innerhalb des Studiums schaffen und kann dies häufig miteinander vereinbaren, ohne gleich abzubrechen.

Haben Sie Beratungsangebote wahrgenommen?

Eigentlich habe ich gar keine Beratung wahrgenommen, aber damals gab es dies meiner Erinnerung nach auch nicht in der Form, wie es heute angeboten wird. In den 80er / 90er Jahren existierte keine großartige Beratung, da kämpfte man sich selbst so durch. Ich bin aber auch eher so ein Typ, der Zweifel mit sich selbst ausmacht. Und es war auch immer ein bisschen Zufall und Glück dabei, rückblickend hätte alles ja auch schief gehen können. Freunde und Bekannte können einen unterstützen, aber sie können natürlich auch nicht sagen, was es noch für fachliche Möglichkeiten gibt. Da ist die Frage, ob sie tatsächlich auch ein kompetenter Ansprechpartner sind.

Was hätten Sie sich in dieser Situation gewünscht? Was hätten Sie Ihrem damaligen Ich gerne geraten?

Fachkundige Beratung wäre in der Situation bestimmt gut gewesen. Gut, dass es sich für mich so glücklich ergeben hat, aber es hätte auch anders kommen können. Mit qualifizierter Beratung kann man zudem den Suchprozess stark abkürzen. Deswegen finde ich es heute super, dass wir so Projekte haben wie Next Career und NEXT STEP Niederrhein hier vor Ort an der Hochschule. Das ist eine tolle Sache, so etwas hätte ich damals bestimmt gut gebrauchen können.

 

Tipps für Studienzweifler*innen

Sie selbst hatten ja viele verschiedene Interessen, was würden Sie Studierenden in einer ähnlichen Situation raten?

Zur Orientierung braucht man häufig Beratung. Wir haben diesbezüglich bei uns an der Hochschule zweierlei. Das Projekt Next Step niederrhein und wir haben Studienlotsen, die Studienverlaufsberatung machen, auch proaktiv. Genau mit dem Hintergrund, Studierende durch ihr Studium zu lotsen, so wie der Name schon sagt, um eben in dem Dschungel der Möglichkeiten einen guten, eigenen Weg zu finden.

Zudem ist es in der Tat ein Problem, dass viele denken Studienabbrecher*innen wären Leute, die ein Defizit haben. Ich glaube im Gegenteil, dass gerade die besonders Talentierten oft zweifeln und den Wald vor lauter Bäume nicht sehen, weil sie so viele Interessen und Talente haben, dass sie sich immer fragen: Ist das jetzt der richtige Weg, könnte es noch einen Besseren geben? Vielleicht kann ich parallel dies oder jenes noch verfolgen? Die vielen Optionen, die man heute hat, bringen nicht nur Erleichterung.

Der erste Schritt ist erst einmal sich relativ schonungslos mit sich selbst auseinanderzusetzen:

  1. Was für Interessen habe ich?
  2. Über welche Talente verfüge ich?
  3. Was hat man für Erwartungen im Leben?

Die Berufswahl ist auch davon abhängig, wie ich mir generell mein Leben vorstelle. Möchte ich beispielsweise viel Freizeit haben oder lege ich da überhaupt kein Wert drauf? Ist mir eine Arbeitsplatzsicherheit wichtig? Ist mir Einkommen wichtig, reise ich gerne, bin ich ein Familienmensch?

Die entscheidenden drei Sachen, über die man sich klar sein sollte, sind Interessen, Talente und Erwartungen. Dabei kann einem eine Beratung durch Außenstehende sehr gut weiterhelfen.

Das zweite ist dann sich auch zu überlegen, wie man innerhalb des Studiums, was man momentan realisiert, die eigenen Interessen umsetzen kann. Dies nimmt ein wenig den Druck von einem Wechsel weg. Manchmal gibt es ja auch noch einen Weg, ohne dass man abbricht. Zudem gibt es immer noch Möglichkeiten neben dem Beruf. Ich persönlich engagiere mich ehrenamtlich außerhalb meines Berufs als Jugendschöffin und in einem Kinderhilfswerk. Man muss ja nicht immer alles auf den Beruf oder die Ausbildung kanalisieren. Der Job ist nicht das ganze Leben.

Ihre Hochschule ist Teil des Hochschulpaktprojektes Next Step niederrhein. Die Kolleginnen dort bieten zahlreiche Orientierungshilfen zur Thematik (wie Informationen, Coaching, Erfahrungsgeschichten). Welchen konkreten Mehrwert sehen Sie in dem Projekt? Warum engagiert sich die HS Rhein-Waal in dem Projekt?

Weil wir glauben, dass es wichtig ist Orientierung im Studium zu geben. Durch unsere Studienverlaufsberatung machen wir da schon relativ viel, aber wir haben bisher kein Angebot gehabt, welches sich explizit an Studienzweifler*innen oder Studienabbrecher*innen richtet. Diese Lücke zu schließen, finde ich super. Ein Nebeneffekt, vielleicht ist es auch schon fast einer der wichtigsten, ist natürlich, dass man das ganze Thema enttabuisiert und Studienzweifel salonfähig macht. So kommt man von dem Gedanken weg zu sagen wer Zweifel hat, ist ein Verlierer, sondern vielmehr im Gegenteil: Gerade die großen Gewinner haben auch oft Zweifel.

Für uns als Hochschule ist das Projekt im Speziellen sehr wichtig, weil wir einen hohen Anteil internationaler Studierender haben. Da sind die Zweifel, aufgrund der äußeren Gegebenheiten oftmals noch höher. Wenn ich mich sorgen muss, wie ich mein Auskommen verdiene, wenn ich Heimweh habe, dann kommen noch einmal ganz andere, viel stärkere Studienzweifel auf.

Dass wir das Projekt zusammen mit der Hochschule Niederrhein durchführen, ist ein weiterer Pluspunkt: Die Hochschule hat eine andere Studierendenstruktur als wir, insofern ist dies um generelle vergleichende Erkenntnisse daraus zu ziehen. Und wir können eine große und wichtige Region in NRW miteinander vernetzen und das ist noch einmal eine wirklich attraktive Option, die das Ganze bietet.

Zweifel begleiten uns unser ganzes Leben, auch nach dem Studium. Wie gehen Sie heute mit Zweifeln um?

Es gibt ja den Spruch „Love it, change it, or leave it.“ Ich glaube, dies hat viel Wahres. Wenn man eine Situation nicht mag, sollte man versuchen diese zu ändern. Wenn man aber zu dem Schluss kommt, dass man sie trotz aller Bemühungen nicht ändern kann, sollte man gehen. Auf keinen Fall würde ich in einer Situation langfristig verharren, die nicht gut ist und einem schadet – gesundheitlich, nervlich, beruflich usw. Vorher sollte man aber auch alles versuchen, um etwas zu ändern. Für mich hat das ganz gut funktioniert.

Gerade die jüngeren Leute heute, die können noch einmal entspannter in die Zukunft gehen und tatsächlich Situationen auch verlassen. Wenn der Fachkräftemangel sich so weiterentwickelt, muss man sich wahrscheinlich keine Sorgen machen, ob es weitergeht. Deswegen einfach trauen!

Wenn Sie heute eine/n junge/n Studienzweifler*in vor sich hätten, was würden Sie ihr/ihm mit auf den Weg geben?

Versuche innerhalb deines Studiums Nischen zu finden, in denen du dich gut bewegen kannst. Und wenn das nicht mehr hilft, muss man tatsächlich über einen Wechsel nachdenken, aber nur dann. Es findet sich fast in jeder Situation noch eine Ecke, sodass man sich arrangieren kann.

Wenn man vor der Berufswahl steht und sich entscheiden muss zwischen dem, was vernünftig ist und dem, was einen interessiert, würde ich mich immer für das Interesse entscheiden. Ich glaube, wenn man wirklich für eine Sache brennt, dann ist man auch gut darin und dann ergibt sich oft der Rest von selbst. Auf keinen Fall sollte man auf äußeren Druck hin etwas machen, was einem nicht liegt oder man nicht will. Das ist natürlich jetzt leicht gesagt, aber so ein Berufsleben ist verdammt lang. Man muss sich selbst treu bleiben.

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