„Auch auf Umwegen kannst du ans Ziel kommen“

Florian hat Technikjournalismus und PR an der Fachhochschule Sankt Augustin studiert – aber nach zwei Semestern ist er mit sich und dem Studium unzufrieden. Next Career sprach mit ihm über seine Erfahrungen und seinen Weg nach dem Studium.

Das Ziel war seit dem Abitur eigentlich immer sehr klar: Ich will im Marketing arbeiten und ein Studium soll mich dorthin führen. Der Weg gestaltete sich bis dahin aber etwas schwieriger als zuerst angenommen. Denn trotz meiner hohen Motivation, bekam ich zuerst gar keinen Studienplatz: Die Absage für einen Platz in Köln für das Fach Medienmanagement im Herbst 2016, kurz nach dem Abi, war ein herber Schlag.

Also folgte ein Jahr, in dem ich meinen Lebenslauf mit allen möglichen Nebentätigkeiten zu füllen versuchte. Ich half an meiner alten Schule in den Flüchtlingsklassen aus und wurde in der Jugendpresse aktiver. Dann kam endlich die nächste Chance, mich auf einen Studienplatz zu bewerben.

Diesmal sollte, musste es funktionieren. Ich sagte mir, dass ein weiteres Jahr ohne Studienplatz für meine Zukunftsaussichten sehr unvorteilhaft wären. Letzten Endes bekam ich tatsächlich einen Studienplatz: Technikjournalismus und PR an der Hochschule Sankt Augustin.

Praktisches erstes Semester, dann die Enttäuschung

Im ersten Semester gestaltete sich das Studium sehr spannend und praktisch. Wir konnten viel in eigener Regie arbeiten und schreiben. Dass Vorlesungen wie Mathematik und Physik ebenfalls im Plan standen, störte mich vorerst nicht weiter. Doch mit dem Ende des ersten Semesters kamen die ersten Zweifel auf: „Führt mich dieses Studium wirklich zu dem Ziel, an das ich gelangen will?“

Zu Beginn des zweiten Semesters folgte die komplette Ernüchterung, als der Studienfokus sich mehr auf Vorlesungen verschob und die Praxis der Theorie weichen musste. Das ganze bekräftigte mich in meinem Zweifel daran, ob das Studium der richtige Weg für mich war.

Umwege waren für mich nichts Unbekanntes, ich hatte schon den ein oder anderen bereits hinter mir. Doch jetzt war ich mir absolut sicher, dass es um meine berufliche Zukunft ging. 21 Jahre alt, ein Jahr nach dem Abitur ohne Studium oder Ausbildung und dann nach einem weiteren Jahr im Begriff das Studium abzubrechen. Das las sich in meinem Kopf wie ein Horrorszenario für jeden potenziellen Arbeitgeber. Also wendete ich mich an die Bundesagentur für Arbeit für eine Jobberatung. Was könnte ich später mit meinem Studium anfangen und welche Alternativen gibt es? Noch während des ersten Gesprächs verlagerte sich der Fokus vom Studium auf eine Ausbildung.

Beratung bei der Agentur für Arbeit half weiter

In der Beratung wurde mir schnell klar, dass es die praktischen Teile in einer Ausbildung oder Arbeit sind, die mich wirklich fesseln und motivieren.

Vor meinem Abitur hatte ich, wenn überhaupt, nur nebenbei an Ausbildungen gedacht, sie aber nie als echte Alternative zum Studium betrachtet. Nach einem weiteren Beratungsgespräch war es dann entschieden: weg vom Studium und hin zur Ausbildung. Es sollte eine Ausbildung werden, in der ich mein Ziel, im Marketing zu arbeiten, weiter verfolgen konnte. Die Auswahl fiel schließlich auf die Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation.

Ich schrieb also die ersten Bewerbungen und erhielt schon bald die ersten positiven Rückmeldungen. Es folgten Bewerbungsgespräche und Probetage. Die positiven Rückmeldungen bekräftigten mich in der Überzeugung, diesmal den richtigen Weg gewählt zu haben.

Aber es braucht letzten Endes immer viel Mut, einen solchen Schritt zu gehen und er ist immer mit Arbeit verbunden. Aber wenn man in seinem Studiengang unzufrieden ist, ist es nur vernünftig nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Manchmal führen die Umwege doch ans Ziel. Vielleicht sind sie zum Teil auch genau das, was ich gebraucht habe, da ich dadurch in vielen verschiedenen Bereichen Eindrücke und Erfahrungen sammeln konnte.

 

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