Es ist eine Sache über einen Abbruch nachzudenken und eine andere dem auch Taten folgen zu lassen.

„Studierst du?“ -Diese Frage begegnet mir in meinem Alltag ziemlich häufig, habe ich doch noch viel mit Studenten zu tun. Auch die nächste Frage, wieso ich denn nicht studiere und eine Ausbildung mache, lässt sich immer schwer beantworten.

2014 habe ich ohne viel Mühe mein Abitur gemacht. Jetzt wundert sich bestimmt der ein oder andere, warum ich extra betone, dass ich es ohne viel Mühe gemacht habe. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, was ich studieren wollte: Elektrotechnik an der Fachhochschule in Aachen. Da der Studiengang zulassungsfrei war, hatte ich mich für meinen Abschluss nicht anstrengen müssen.

Dass ich etwas anderes als Studieren machen könnte, ist mir damals nie wirklich in den Sinn gekommen.

Meine entspannte Ader zog sich dann auch durch mein erstes Semester an der Fachhochschule. Die Ernüchterung kam dann ziemlich schnell, als die Klausurphase bevorstand und mir bewusst wurde, wie wenig ich in dem Semester gelernt hatte und wie viel ich noch lernen musste. Nachdem ich durch die Elektrotechnikklausur gefallen war, habe ich begonnen nachzudenken, ob das Studium das Richtige für mich ist.

Verstärkt wurde das Ganze durch die steigenden Anforderungen im Studium und dass ich zum ersten Mal realisierte, dass man für seine guten Noten arbeiten muss. Meine Frustration steigerte sich immer mehr. Schließlich habe ich dem nachgegeben und mein Studium abgebrochen.

Es war eine sehr schwierige Situation. Zum einen war es schwer mir einzugestehen, dass ich mich falsch entschieden hatte und ich das Studium nicht schaffe, und zum anderen war es schlimm dann auch meinen Eltern zu gestehen, dass ich eine schlechte Wahl getroffen hatte. Es laut auszusprechen, war eine Herausforderung.

Es ist eine Sache, über so etwas nachzudenken und eine andere dem auch Taten folgen zu lassen. 

Nach dieser unangenehmen Situation wollte ich es bei meiner nächsten Studienwahl besser machen. Ich entschied mich für Physik an der RWTH Aachen, weil ich schon in der Schule große Freude daran hatte. Mich faszinierte die Physik und ich wollte mich gerne intensiver damit beschäftigen. Meine Eltern haben mir gleich gesagt, dass es ein hartes Studium ist. Nicht umsonst brechen es sehr viele ab und ich solle mir wirklich gut überlegen, ob ich tatsächlich Physik studieren will. Aber ich wollte es unbedingt und dachte, dass ich es schon schaffen würde.

Angekommen im Studium wurde ich schnell mit der Realität konfrontiert. Durch die vielen Abgaben für die Uni, in einer Woche hatten wir bis zu drei Stück, musste ich viele Stunden täglich am Schreibtisch sitzen und hatte fast keine Freizeit mehr. Schnell merkte ich, dass die Theorie nicht zu mir passte und mir der Praxisbezug fehlte. Trotzdem hörte ich nicht mit dem Physikstudium auf. Nach den Erfahrungen, die ich bei meinem ersten Studienabbruch gemacht hatte, wollte ich das kein zweites Mal durchmachen. Dafür war es zu schwer und um ehrlich zu sein, hatte ich mich geschämt. Ein ganzes Jahr lang habe ich weiter studiert und alles versucht, es doch zu schaffen. Am Ende des Jahres war ich nervlich am Ende und habe schließlich doch – erneut – einen Schlussstrich gezogen.

Ich hatte danach eine echte Krise und habe mich gefragt, wieso ich es nicht schaffe ein Studium durchzuziehen. Was war denn so schwer daran, wie alle anderen zu studieren?

Nach einer Weile fing ich an, neben einem Studium auch eine Ausbildung in Betracht zu ziehen. Meine Eltern unterstützten mich dabei, bedeutete eine Ausbildung doch Sicherheit und Beständigkeit. Um herauszufinden, was ich werden wollte, ließ ich mich beim Arbeitsamt beraten und informierte mich im Internet. Schließlich fand ich die Ausbildung zur Physiklaborantin und absolvierte in dem Bereich ein Praktikum. Danach schlug mir meine Tante vor, die als Krankenschwester arbeitet, auch mal ein Praktikum als Krankenschwester auszuprobieren. Sie kennt mich sehr gut und konnte sich vorstellen, dass mir die Arbeit gefallen könnte.

Gesagt, getan. 3 Monate arbeitete ich im Krankenhaus und es tat mir gut. Nach dem Studium, in dem die Theorie meinen Alltag bestimmte, war die Arbeit genau das Gegenteil. Nach all der Zeit, in der ich hart gearbeitet und wenig positive Rückmeldung bekommen hatte, ging mir endlich wieder etwas leicht von der Hand und machte mir Spaß. Ich arbeite wirklich gerne mit anderen Menschen zusammen und mich interessiert es sehr, wie der menschliche Körper funktioniert.

Eine Ausbildung war genau die richtige Entscheidung für mich!

Seit Oktober letzten Jahres absolviere ich nun meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und es war genau die richtige Entscheidung für mich. Es ist schön, etwas zu tun, bei dem ich positive Bestätigung bekomme und gleichzeitig auch jeden Tag aufs Neue gefordert werde.

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